Digitalisierungs-Eldorado „Öffentliche Verwaltung“

In meinem heutigen Blog-Beitrag möchte ich auf einen hörenswerten Podcast des Handelsblatts aufmerksam machen, der am 09.07.2021 veröffentlicht wurde und unter diesem Link anzuhören ist. In diesem Podcast wird Lars Zimmermann interviewt. Gemäß der oben verlinkten Ankündigungsseite zu dem Podcast „baut Lars Zimmermann mit Public eine sogenannte Venture Firm auf, die Tech-Startups und Verwaltungen zusammenbringt. Außerdem stellt Public Kontakt zwischen Startups und internationalen Investoren her, die gerade enorme Summen in das Feld investieren.“

Inhaltlich werden folgende Fragen diskutiert (ebenfalls obiger Seite entnommen):

„Welche Ideen haben wirklich eine Chance? Wie sieht ein moderner Staat aus? Ist es überhaupt realistisch, dass die schleppende Digitalisierung mehr Fahrt aufnimmt oder bleibt es am Ende wieder bei leeren Versprechen? Und welche Rolle können junge Technologiefirmen bei alledem spielen?“

Soweit also die Ankündigung auf der Handelsblatt-Webseite. Hört man sich den Podcast an, so ist es im Grunde ein einziger Schrei nach dem „Prozessgesteuerten Ansatz“. Wieder einmal geht es im Kern um neue Prozesse, die, wenig überraschend, so schnell wie irgend möglich umzusetzen sind. Auch Lars Zimmermann weist auf den hinlänglich bekannten Punkt hin, dass es nichts bringen wird, aktuelle Prozesse einfach nur digital nachzubauen. An dieser Stelle erinnere ich nur an das altbekannten Dirks-Zitat: „Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.“

Zimmermann formuliert es etwas eleganter (Minute 11:29): „Wir digitalisieren gerade die Vergangenheit nach.“ Aber er spricht auch die organisatorischen Herausforderungen der Digitalisierung an, denen wir insbesondere hier in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur gegenüberstehen. Auf den Punkt gebracht sagt er (Minute 12:35): „Wie machen wir den Föderalismus fit für das 21. Jahrhundert?“

Allein: Wegweisende Antworten, wie das genau zu erreichen ist, findet man nur wenige, denn wir werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das föderale System nicht grundlegend infrage stellen. Von daher bin ich, was diese Forderung angeht, mehr als skeptisch.

Angesprochen auf Public und welche Rolle Public konkret spielt, stimmen mich seine Antworten ebenfalls nachdenklich. Konkret antwortet er (ab Minute 19:40):

„Unser Hebel ist, dass wir sagen, es gibt ’ne ganze Reihe von technologischen Lösungen und Innovationen, die in der Tech-Szene schon bestehen oder dort entwickelt werden und die aber noch keine Anwendung in Verwaltungen finden und wir sagen: Es würde so viel einen Mehrwert für alle möglichen Bereiche geben, wenn wir diese Lösungen aus Deutschland oder aus Europa in Deutschland selber anwenden. D.h. wir versuchen im Grunde genommen diese Brücke zu bauen zwischen Startups/Technologieunternehmen und dem Staat als Anwender und als Nachfrager und als Auftraggeber und damit können wir natürlich z.B. relativ schnell sehr gute Produkte in die Verwaltung bringen.“

Er spricht auch später stets von den „richtigen Produkten“ (21:36) für die Verwaltungen. Das ist typisch für die meiner Meinung nach nicht mehr passende Denkweise im Zeitalter der digitalen Transformation. Es geht eben nicht mehr um fertige Lösungen und Produkte, die dann mal so eben in den Verwaltungen einzusetzen sind. Das verschlimmert den Zustand der Schnittstellenrepublik, wie es die ebenfalls in dem Podcast zitierte Bundeskanzlerin (Minute 24:10) so treffend ausdrückt, nur zusätzlich. Außerdem befindet sich der Markt in einem solchen Wandel, auf welche Lösung sollten die Verwaltungen denn setzen? Die Lösung von heute ist morgen schon wieder veraltet. Wie will man bei diesem Hase-und-Igel-Rennen gewinnen? Glaubt Hr. Zimmermann wirklich, dies ließe sich in diesem Ameisenhaufen in irgendeiner Form geordnet umsetzen? Ich glaube nicht daran.

Das bereits oben angesprochene Zitat der Bundeskanzlerin ist in vielerlei Hinsicht interessant. Hören wir nochmal in den Podcast rein (24:10):

„Wir dürfen keine Schnittstellenrepublik werden, wo wir permanent irgendwelche Schnittstellen miteinander vernetzen, wo sich aber die einzelnen Untersysteme nicht gleichmäßig weiterentwickeln. Und Digitalisierung hat ja ständige Erneuerung und das ist ’ne richtige tiefe Debatte, die wir über die Funktionsfähigkeit eines föderalen Systems im digitalen Zeitalter führen müssen.“

Diese Systemvielfalt ist mit Sicherheit ein Hindernis bei der geforderten schnellen digitalen Transformation Deutschlands. Aber sich dieser Herausforderung zu stellen und Lösungen unter Berücksichtigung der Heterogenität zu finden, genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Stattdessen wird Unmögliches gefordert: Die Untersysteme, wie es die Bundeskanzlerin fordert, sollen sich gleichmäßig weiterentwickeln. Wie soll das funktionieren? Wie soll das in diesem „Hühnerhaufen“ umgesetzt werden? Und das schnell?

Lars Zimmermann schlägt in eine ähnliche Kerbe (ab Minute 24:40). Er fordert die Erfüllung von drei Bedingungen. Sind sie erfüllt, so Zimmermann, dann ist die Skalierung von Technologie zu schaffen:

  1. Zentrales Auffinden der Lösungen und deren Einsatz (aktuell keine Transparenz im Markt, was wo eingesetzt wird)
  2. Interoperabilität
  3. Standardisierung (Marktplatz, Plattform)

Getoppt werden diese Bedingungen mit Zimmermanns Aussage, die den „heiligen Gral der kommunalen Selbstbestimmung in Technologiefragen“ (25:55) infrage stellt. Meine Meinung dazu: Unrealistisch!

Die einzige Möglichkeit, in diesen stürmischen Zeiten die Weichen richtig zu stellen, ist die Standardisierung auf Prozessebene. Diese Prozesse in einem Process App Store zu sammeln und den Verwaltungen dann zur Verfügung zu stellen. Dieser Ansatz scheint mir zielführend und erfolgversprechend zu sein, wenn es darum geht, Prozesse in der Fläche zu skalieren.

Diese Skalierung in der Fläche wird auch von Markus Richter als kritisch angesehen. Markus Richter ist CIO der Bundesregierung und gibt im Podcast ebenfalls ein kurzes Statement ab (Minute 35:10): „Wir haben viele digitalen Lösungen und in vielen Bereichen ist das auch im Praxisbetrieb. Aber es skaliert nicht in der Fläche. Es ist eben nicht so, dass man in Deutschland auf einen Knopf drückt und dann ist der digitale Bauantrag in allen Kommunen vorhanden. […] Das ist die große Herausforderung, die Skalierung in der Fläche.“

Genau diesem Traum des Knopfdrucks und des Ausrollens von Prozessen in der Fläche kommen wir mit dem Process App Store schon sehr nahe, insbesondere natürlich dann, wenn diese Prozesse dem „Prozessgesteuerten Ansatz“ folgen. So können diese innovativen systemunabhängigen Fachprozesse über systemabhängige Integrationsprozesse (siehe hierzu den Abschnitt der „Prozessgesteuerten Architektur“ in meinem Grundlagenartikel über den Prozessgesteuerten Ansatz) an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten der Behörde angepasst werden, in der die neuen Fachprozesse letztendlich zum Einsatz kommen.

In die föderalen Strukturen müsste bei diesem Vorgehen nicht eingegriffen werden. Die Kommunen dürften sogar unabhängig voneinander neue Prozesslösungen erarbeiten und sie im Process App Store zur Wiederverwendung veröffentlichen, alles kein Problem. Es kommt letztendlich zu einem Wettbewerb der Prozessideen und nicht der Produkte und Lösungen! Der bessere (Prozess) möge gewinnen. Und diese könnten anschließend mit überschaubarem Aufwand in den Kommunen zum Einsatz kommen! So könnten Deutschlands Verwaltungen wirklich innoviert werden! Wenn uns das gelänge, könnten wir wieder zu den Vorreitern der Verwaltungen werden, wie uns dies im analogen Zeitalter gelungen war und damit dem finalen Wunsch von Lars Zimmermann erfüllen, wenn er fordert (Minute 47:45):

„Die Bundesrepublik Deutschland sollte die Ambitionen haben zu sagen, wir sind unter den Top Drei Tech-Nationen der Welt. Das sollte und muss aus meiner Sicht die Ambition sein, auch der nächsten Bundesregierung: Zu sagen, es gibt drei Länder, wo Technologien die Basis für zukünftiges Wachstum sind und das sind die USA, das ist China und das ist die Bundesrepublik Deutschland“.

Der „Prozessgesteuerte Ansatz“ steht jedenfalls bereit, um diese Ambitionen Wirklichkeit werden zu lassen!

PiDiArtify-Initiative gestartet

Es ist mir eine Freude, heute eine ganz besondere Initiative ankündigen zu dürfen. Unter „PiDiArtify – die Kunst der methodischen Prozessautomatisierung“ möchte ich meinen Beitrag zu einer nachhaltigen digitalen Transformation von Unternehmen durch Einsatz des Prozessgesteuerten Ansatzes leisten!

Ziel der PiDiArtify-Initiative ist der Aufbau einer Community zum Austausch von Wissen und Erfahrungen zum Einsatz des Prozessgesteuerten Ansatzes in Unternehmen. Dadurch wird eine schnellere Verbreitung des Ansatzes angestrebt und Unternehmen die Chance gegeben, in diesen stürmischen Zeiten der digitalen Transformation zu bestehen und Geschäftsmodelle auf ein neues Niveau zu heben.

Insbesondere Startups eröffnet die Initiative Möglichkeiten, ihre Prozessanwendungen von Beginn an auf ein qualitativ hochwertiges Fundament zu stellen.

Weitere Details zu den Hintergründen und Zielen der Initiative sowie zur kostenlosen Teilnahme sind auf meiner Webseite unter https://volkerstiehl.de/pidiartify zu finden.

Ich hoffe auf eine breite Unterstützung! Auch wenn es sonst nicht meine Art ist, so bitte ich Sie diesmal darum, diese Ankündigung mit so vielen Ihrer Kontakte wie möglich zu teilen.

Vielen Dank schon jetzt für Ihre Unterstützung!

Digitalisierung vs. Digitale Transformation: Warum Digitalisierung nicht genügt

Haben Sie sich schon mal Gedanken über den Unterschied zwischen Digitalisierung und Digitaler Transformation gemacht? Tatsächlich wird der Begriff Digitalisierung in sämtlichen Gazetten und Online-Publikationen inflationär verwendet. Kaum ein Artikel, der ohne ihn auskommt. Dabei ist den wenigsten bewusst, dass die digitale Transformation für die Zukunft von Unternehmen viel entscheidender ist. Höchste Zeit also, sich mit den Unterschieden auseinanderzusetzen und die Herausforderungen für Unternehmen zu beleuchten, wenn sie sich für den einen oder anderen Weg entscheiden. Doch so einfach ist das gar nicht. Als ich mir Gedanken darüber machte, vielen mir so viele Aspekte ein, in denen sich die beiden Begriffe unterschieden, dass sie den Rahmen eines Blog-Beitrags sprengen würden. Also entschloss ich mich dazu, einen separaten Artikel darüber zu schreiben. Dieser Artikel ist nun fertig und kann unter diesem Link nachgelesen werden.

Nach der Lektüre des Artikels werden Sie vielleicht überrascht sein, in wie vielen Nuancen sich Digitalisierung und Digitale Transformation teilweise gravierend unterscheiden. Erstaunlich sicherlich auch die Erkenntnis darüber, welche Konsequenzen Unternehmen zu berücksichtigen haben, wenn Sie den Weg zur digitalen Transformation beschreiten. Interessant sind aber auch die Voraussetzungen, die ein Unternehmen erfüllen muss, um bei der digitalen Transformation erfolgreich zu sein.

Doch letztendlich hilft alles nichts: Ohne digitale Transformation keine Zukunft. Und noch etwas dürfte am Ende des Artikels deutlich geworden sein: Es ist nicht die Digitalisierung, die Unternehmen benötigen. Sie reicht bei weitem nicht aus, obwohl es gerade dieser Begriff ist, der in den Medien so omnipräsent ist. Es ist die digitale Transformation, auf die es ankommt und die den Unterschied ausmacht! Wir sollten zukünftig bewusster mit den beiden Begrifflichkeiten umgehen.

„Selber machen“ ist das Motto der Digitalen Transformation

Vielleicht haben Sie heute (10.03.2021) auch von Apples neuen Plänen hinsichtlich der Investitionen in den Standort Deutschland erfahren. Wie z.B. diesem Artikel auf der Webseite des bayerischen Rundfunks zu entnehmen ist, will Apple mehr als eine Milliarde Euro investieren und u.a. München zum Europäischen Zentrum für Chip-Design ausbauen. Neben diesen erfreulichen Ankündigungen für den Standort Deutschland ist aber eine weitere wichtige Botschaft für uns von besonderem Interesse. Ich zitiere aus obigen Artikel:

„Apple hatte früher für seine Produkte wie iPhone, iPad und Mac vor allem Chips von Herstellern wie Qualcomm und Intel bezogen. Der kalifornische Konzern verfolgt aber seit Jahren einen Masterplan, die wichtigsten Halbleiter selbst zu entwerfen.“

Die Einsicht von Managern, wettbewerbsentscheidende wertschöpfende Aktivitäten selbst zu erbringen und nicht erbringen zu lassen, ist ein ganz typischer Trend bei der digitalen Transformation, der branchenübergreifend zu beobachten ist.

Denken Sie beispielsweise an Tesla. Tesla lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, soweit es irgendwie möglich ist, sämtliche in ihren Autos verbauten Teile selbst zu produzieren und nur so wenig wie möglich zuliefern zu lassen.

Bei Amazon geht es soweit, dass der Begriff „Standardsoftware“ für das Unternehmen ein Fremdwort zu sein scheint. Sämtliche Software zur Abwicklung ihrer Prozesse stammt selbstverständlich aus dem eigenen Hause. Es ist dadurch sogar ein eigenes neues Standbein entstanden, das uns allen unter dem Begriff „Amazon Web Services“ (AWS) wohlbekannt ist. AWS ist mittlerweile zu einem wichtigen wirtschaftlichen Bestandteil von Amazon geworden.

Last but not least ist Netflix selbst zum Filmproduzenten geworden und streamt nicht mehr nur die Filme etablierter Studios.

Alle diese Beispiele zeigen eines sehr deutlich: Die Firmen streben eine größtmögliche Unabhängigkeit an, um jederzeit das Ruder fest in den Händen halten und bei veränderten Rahmenbedingungen agieren (und nicht nur reagieren) zu können. Denn in unserer schnelllebigen Zeit der digitalen Transformation ist genau das überlebenswichtig: Schnell agieren zu können!

Vor diesem Hintergrund ist es teilweise nur schwer zu verstehen, wie sich unsere einheimischen Unternehmen aktuell verhalten. Gerade bei IT-Themen scheint es ja nur noch einen großen Trend zu geben: Ab in die Cloud! Unternehmen müssen sich aber im Klaren darüber sein, dass sie die Kontrolle über Stamm- und Bewegungsdaten als auch Prozesse an die Cloud-Dienstleister abgeben. Die Abhängigkeit von dem Cloud-Provider ist also immens.

Schnelle Eingriffe sind da nur schwerlich möglich. Eine für mich angesichts der anstehenden Herausforderungen der digitalen Transformation schwer nachvollziehbare Einstellung. Ich kann nur hoffen, dass wenigstens die für ein Unternehmen wettbewerbsentscheidenden Prozesse im eigenen Rechenzentrum verbleiben. Denn nur so kann zumindest in diesem Kerngebiet adäquat gehandelt werden.

Ähnlich trübe sieht es in unserer Automobilindustrie aus: Sie zeichnet sich dadurch aus, relativ wenig selbst zu produzieren, sondern sich die benötigten Teile und Vorprodukte von unzähligen Partnern zuliefern zu lassen. Auch hier ist eine hohe Abhängigkeit von den Zulieferern zu attestieren.

Was wir hier beobachten ist also das genaue Gegenteil von dem, was obige erwiesenermaßen erfolgreiche Unternehmen aktuell tun.

Das sollte unseren Unternehmen zumindest zu denken geben! Ich für meinen Teil kann „nur“ für die IT-Seite Stellung beziehen. Und da lautet die Devise ganz eindeutig: Nur eine handlungsfähige IT sichert das Überleben der Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Transformation. Umso wichtiger ist folglich die Kontrolle über die eigenen Kernprozesse und die Unabhängigkeit von externen Dienstleistern! Derartige Prozesse haben also nichts in der Cloud verloren. Unternehmen sollten sich also sehr gut überlegen, was sie an externe Cloud-Anbieter auslagern und was nicht. Denn wer weiß, welcher Prozess als nächster von einer disruptiven Innovation betroffen sein wird. Dann können Unternehmen nur hoffen, dass es kein Prozess ist, den sie in die Cloud ausgelagert haben…

Wir sind noch nicht in der Digitalisierung angekommen

Dieser Blog-Beitrag bezieht sich auf einen Artikel von André Ammer, der in den Nürnberger Nachrichten am 16.02.2021 unter dem Titel „Bayern nutzt nun Fachwissen aus Afrika“ erschienen ist. Im Wesentlichen geht der Artikel auf den Einsatz eines neuen IT-Systems namens Sormas in Bayern ein. Sormas hat sich bereits in Afrika bei Ausbrüchen anderer Infektionskrankheiten (genannt werden u.a. Cholera, Ebola und Denguefieber) bewährt. Von diesem Know-how soll nun auch Bayern für die Corona-Pandemie profitieren. Der Hauptartikel selbst ist größtenteils auch online verfügbar, allerdings fehlt in der Online-Ausgabe ein interessanter Kasten, der in der Printausgabe mit „Wie weit sind die Gesundheitsämter in der Region?“ überschrieben ist.

Mir geht es in meinem heutigen Beitrag nicht so sehr darum, ob der Einsatz bzw. ob das System selbst gut oder schlecht ist. Ich möchte den Artikel exemplarisch nutzen, um daran aufzuzeigen, wie sehr wir noch in dem Systemdenken verhaftet sind, den ich für die anstehende digitale Transformation für nicht förderlich halte.

Fangen wir also an: Überfliegen Sie doch spaßeshalber mal den Artikel: Der Artikel wimmelt nur so von Systemnamen (Sormas, Sormas-X, Demis, BaySIM – in dem von mir angesprochenen Kasten kommen dann noch weitere Systeme mit so illustren Namen wie Covid-PIS, R23 und Äskulab21 hinzu) und Problemen der Interaktionen zwischen diesen Systemen. Da ist von Schnittstellenproblemen und nicht kompatiblen Datenaustauschen sowie potenziellen Gefahren wie der händischen Dateneingabe aufgrund inkompatibler Formate die Rede.

Diese Beschreibung trifft auf so ziemlich jedes Unternehmen und jede Behörde zu. Wir haben uns mittlerweile mehr oder weniger mit derartigen Problemen abgefunden, als wäre es ein gottgegebenes Gesetz. Ist halt so. Die Systemlandschaft ist historisch gewachsen. Ein Grundproblem dabei ist meiner Meinung nach das Denken in Systemen: Für jedes Problem gibt es hoffentlich ein dazu passendes System, das dieses Problem löst. Gibt es das System, wird es gekauft. Gibt es das System noch nicht, so muss es eben geschrieben werden. Was sind die Konsequenzen dieses Denkens? In den Rechenzentren dieser Welt treibt der System-Wildwuchs seine Blüten und die Administratoren ersticken in Verbindungsproblemen! An Innovation ist in einer solchen Gemengelage überhaupt nicht zu denken. Man ist froh, das Gesamtgefüge überhaupt irgendwie am Laufen zu halten.

Um es nochmal hervorzuheben: In diesem kurzen Artikel werden in Summe nicht weniger als sieben Systeme angesprochen! Für ein wirklich relativ simples Problem. Zudem ist der Artikel ja für eine breite Masse geschrieben, die sich in der Regel für unterschiedliche Systeme nun wahrlich nicht sonderlich interessiert. Aber dem Autor blieb keine andere Möglichkeit, als sich durch dieses Chaos von Systemen zu arbeiten, um die ganze Bandbreite der Probleme zu beleuchten. Verrückt! Sie können aber davon ausgehen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. In den Rechenzentren der Unternehmen und Behörden schlummern Tausende von Systemen. Und diese Systeme sollen dann auch noch, wie durch Geisterhand, Daten mit wildfremden Systemen austauschen können. Mit dieser Herangehensweise ist die Katastrophe allerdings vorprogrammiert: Unzählige Systeme ersticken über kurz oder lang die Handlungsfähigkeit der IT und damit die Handlungsfähigkeit von Unternehmen und Behörden! Die Reaktionsfähigkeit auf neue Herausforderungen nimmt mit jedem weiteren System ab, bis bald gar nichts mehr geht.

Aber genau das ist das Letzte, was wir in Anbetracht der anstehenden Digitalisierungswelle gebrauchen können!

Die Systemvielfalt in Unternehmen und Behörden ist auch kein neues Problem – dieses Problem gibt es schon, seit es Computer gibt. Nur im Zuge der Digitalisierung, wo alles auf Geschwindigkeit und Flexibilität ankommt, wird dieser Umstand zu einem nicht kalkulierbaren Risiko! Die Herausforderungen der Digitalisierung lassen sich mit dem Systemdenken einfach nicht mehr meistern! Das meine ich mit meiner Überschrift, dass wir, wenn wir wie oben beschrieben vorgehen, noch nicht in der Digitalisierung angekommen sind!

So sehr ich die Handlungsweise der Verantwortlichen auch nachvollziehen kann („Ich brauche jetzt eine Lösung und zwar schnell!“), so schmerzhaft wird diese Entwicklung auf lange Sicht sein. Irgendwie scheinen alle auf ein Wunder zu warten bzw. zu hoffen, dass sich die Schnittstellenprobleme irgendwann in Luft auflösen werden. Diese Hoffnung muss ich allerdings nehmen: Das wird nicht passieren!

Typisch dafür ist beispielsweise folgende Passage aus dem Text: „Durch Sormas und Demis wurde auch das System BaySIM abgelöst, das Bayerns ehemalige Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) im Mai vergangenen Jahres vorgestellt hatte. […] Ein Grund dafür: BaySIM war nicht mit allen Systemen kompatibel, die bis dahin in den Gesundheitsämtern verwendet wurden. Deshalb hätte der Import und Export der bisherigen Daten in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie teilweise händisch erfolgen müssen, und dafür hatten die Behörden zu diesem Zeitpunkt einfach nicht die personellen Kapazitäten.“

Warum in Gottes Namen muss ein System mit allen eingesetzten Systemen kompatibel sein? Nach welcher Softwarearchitektur wird denn hier Software entwickelt? Morgen kommt für die Gesundheitsämter eine neue Lösung mit einer neuen Schnittstelle daher und dann werden auch Sormas und Demis weggeworfen oder wie? Oder noch schlimmer: Die neue Software für die Gesundheitsämter ist wirklich signifikant besser, wird aber nicht eingesetzt, weil sie nicht zu Sormas/Demis passt? Wie krank ist das? Zudem: BaySIM wurde im Mai 2020 eingesetzt und wird nach noch nicht einmal einem Jahr schon wieder ersetzt? Was geht da ab?

Für mich klingt das nach totaler Panik und Konzeptlosigkeit. Merkt man denn nicht, dass man sich mit diesem Vorgehen sein eigenes Grab schaufelt? Das Verhalten erinnert mich an folgendes Zitat:

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Tatsächlich kommen wir mit dem Systemdenken im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr weiter. Diese Ära ist definitiv vorbei. Nein, wir brauchen stattdessen mehr denn je einen Befreiungsschlag. Wir brauchen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Softwarearchitektur und der Softwareentwicklung, der den Anforderungen der Digitalisierung Rechnung trägt. Und diese Anforderungen sind nun einmal Schnelligkeit und Flexibilität! Schnelligkeit und Flexibilität erhält man durch den „Prozessgesteuerten Ansatz“. Der Ansatz bedingt allerdings einen Wechsel weg vom Systemdenken und hin zum Prozessdenken. Prozesse, die durch Modelle explizit gemacht werden, und im Zusammenspiel mit einer nachhaltigen Software-Architektur einen Gesamtansatz entstehen lassen, der den IT-Verantwortlichen endlich wieder die Luft zum Atmen gibt, da sie sich aus dem System-Wirrwarr Schritt für Schritt befreien können! Auf dieser Basis können dann auch wieder Innovationen entstehen!

Ja, das ist neu und ungewohnt, aber die vielversprechendste Antwort auf die Herausforderungen der Digitalisierung. Prozesse explizit modellieren, diese durch eine Process Engine automatisieren und durch eine separierende Integrationsschicht von der existierenden IT-Landschaft trennen. Diese flexible Software-Architektur ermöglicht dann nachhaltige Prozesslösungen. Aber nicht nur das! Unterhalb der Integrationsschicht kann dann gleichzeitig mit den Aufräumarbeiten begonnen werden: Denn Ziel muss es sein, die IT-Landschaft schrittweise zu vereinfachen und die Anzahl der Systeme zu reduzieren. Dadurch lösen sich Unternehmen und Behörden aus dem Würgegriff der heterogenen IT-Systeme und ihrer Abhängigkeiten. Dank der separierenden Integrationsschicht ist genau dies möglich. Endvision dieser Herangehensweise ist eine Vielzahl von Prozessen, die über einer nur noch geringen Zahl von Basissystemen agieren!

Auf diese Weise gelingt Unternehmen und Behörden die Befreiung aus der einengenden Wirkung des System-Wildwuchses. Der Weg zur Innovation, Schnelligkeit und Flexibilität ist frei. Auf Basis des Prozessgesteuerten Ansatzes kann die digitale Transformation also tatsächlich gelingen!

Roast my business – der neuartige Digitalisierungscheck

Digitalisierungschecks – also die Überprüfung von Unternehmen, ob und wie gut sie für die digitale Transformation vorbereitet sind – gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Geben Sie einfach mal „Digitalisierungscheck“ als Stichwort in die Suchmaschine Ihrer Wahl ein und Sie werden überrascht sein, wie viele Angebote aufgelistet werden. Leider leiden all diese Angebote unter einem fundamentalen Mangel: Sie vernachlässigen durch die Bank weg den Aspekt des prozessgesteuerten Ansatzes als Projektabwicklungs- und Implementierungsmethodik! Leser meiner Webseite wissen, wie entscheidend jedoch genau dieser Aspekt für eine effiziente und nachhaltige Umsetzung von digitalen Transformationsprojekten ist. Daher bin ich stolz darauf, in diesem Blog-Beitrag auf einen höchst innovativen Digitalisierungscheck hinzuweisen, der in Zusammenarbeit mit der exentra GmbH entstanden ist: Roast my business!

Roast my business ist weltweit einzigartig, da dieser Digitalisierungscheck die Unternehmen neben den Standardfragestellungen bewusst auf die Voraussetzungen hinsichtlich des Einsatzes des Prozessgesteuerten Ansatzes überprüft. Roast my business fokussiert sich auf das, was Unternehmen wirklich wichtig sein sollte: Ihr Geschäft und dessen effiziente sowie nachhaltige digitale Transformation!

Die Zeit ist reif für eine neue, frische Generation von Unternehmensanwendungen, die den Ende-zu-Ende-Prozess visuell in den Mittelpunkt rückt! Genau das liefert Roast my business. Denn ein Digitalisierungscheck bringt den Unternehmen nur dann etwas, wenn sich die Ergebnisse auch schnell und kostengünstig umsetzen lassen. Kein anderes Verfahren, keine Microservice-basierte Verfahren, kein Domain Driven Design, kein RPA (Robotic Process Automation) und auch kein Process Mining wird Unternehmen dabei wirklich behilflich sein – im Gegenteil. Diese Ansätze sind teilweise sogar schädlich für Unternehmen und können deren Existenz gefährden! Seien Sie also wachsam, wenn Ihnen andere Digitalisierungschecks genau diese Punkte als Lösungen anbieten. Nur der Prozessgesteuerte Ansatz wird Ihnen sowohl kurz-, mittel- als auch langfristig wirklich helfen können. Genau das macht Roast my business so wertvoll!

Haben Sie Fragen zu Roast my business und die Roast-my-business-Webseite kann sie Ihnen nicht beantworten? Dann zögern Sie nicht, sich mit mir direkt oder mit den Ansprechpartnern auf der Roast-my-business-Webseite in Verbindung zu setzen! Wir freuen uns auf Ihr Feedback!